Mittwoch, 28. Mai 2014

Sonnenschein am See, großer Springbrunnen, viele Schiffe. Ein Motorboot auf dem grade ein Sektempfang in kurzen Kleidern stattfindet. Manager die noch die letzten Termine für Freitag bestätigen, bevor sie sich ihren Familien widmen. Mütter, die noch schnell die letzten Einkäufe inklusive der übermüdeten Brut ins Auto schleppen und Teenager, die sich schon mal die erste Zigarette anzünden, bevor sie sich in das aufregende Leben der Großstadt stürzen. Um mich rum stehen Porsches, Lamborghinis, Audis und BWMs. Daneben knattern Motorräder, Mofas, kleine Roller. Immer mal wieder wird wütend gehupt, wenn sich ein Fahrradfahrer dazwischen durch schlängeln möchte und somit alles blockiert. Genf liegt in der Abendsonne vor mir, mit all seiner Schönheit. 
Und zwischen all diesen lauten, schnellen, gestressten Menschen: ich.
Ohne Minikleid, ohne sektglas in der Hand, ohne Zigarette im Mund und auch nicht mit Blackberry am Ohr, in 3 Sprachen gleichzeitig diskutierend.
Ich sitz einfach nur im Stadtbus, Trainingspulli, Nikes, ohrstöpsel im ohr, Kaugummi kauend. Beobachte die Menschen um mich rum, falle auf und warte dass wir wieder los fahren. Los fahren zu dir. An den anderen See, in die Arme, in die ich gehöre, in das Bett, in dem ich am liebsten schlafe.
Mittlerweile gehör ich zu den Leuten, bei denen ich nie dachte dass ich da mich mal mit ihnen zusammen tun würde: den Wochenend-Pendlern. Genf, Zürich, und wieder Genf. Mal auf dem Weg zu dir, mal auf dem Weg weg von dir. Mal vermiss ich dich, mal vermiss ich Genf, mal vermisse ich zuhause, manchmal vermiss ich meinen Bruder oder meine Mama und manchmal, da vergess ich zu vermissen. Manchmal frag ich mich, warum ich so viel zeit in Zügen verbringe, und dann fällt es mir wieder ein: um meine lieben zu sehen und gleichzeitig das zu machen, was schon lange auf meiner Liste steht: französisch lernen,
Ich mach das gerne. Ich mag es, aus dem Sonnenuntergang in die Dunkelheit zu fahren und im Kopf zu überlegen, was am Wochenende passiert ist. Ich mag es, auf meinem Schoß in mein Tagebuch zu kritzeln und auf zu passen, dass mein Nebensitzer nicht auf die beschriebenen Seiten krümelt.
Ich habe gefunden, was ich suche.

Not all Those who wander are lost.

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